RELEASE: A KIND OF BLUE - DIE SAMMLUNG SIGGI UND SISSY LOCH

London

im Rahmen der Londoner Juniauktionen für Nachkriegs- und Gegenwartskunst (27. & 28. Juni 2012) wird Christie’s unter dem Titel ‘A Kind of Blue‘, der einem Miles Davis Stück entliehenen ist, 45 herausragende Werke der Sammlung des deutschen Musikproduzenten und Gründers des Labels ACT Siggi Loch und seiner Frau Sissy zum Aufruf bringen. Der Erlös der Versteigerung von Arbeiten Yves Kleins, Gerhard Richters, Georg Baselitz‘, Sigmar Polkes, Ernst Wilhelm Nays, Sam Francis‘ u.a. soll das Grundkapital zu der unlängst durch das Ehepaar gegründeten Siggi & Sissy Loch Stiftung legen, die der Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen sowie der Förderung des Tierschutzes gewidmet ist.

„Siggi Lochs Sammelleidenschaft und sein Gespür für Qualität hat mich bei den zahlreichen, persönlichen Begegnungen mit ihm und seiner Frau Sissy über die letzten 20 Jahre nachhaltig beeindruckt. Als Musikproduzent und Gründer des Labels ACT hat Siggi Loch Brücken zwischen Musik und bildender Kunst geschlagen. Er hat zeitgenössische Kunst auf den Covern seiner Plattenproduktionen gezeigt, zahlreiche Musiker inspiriert, Kompositionen zu Bildern seiner Sammlung zu schreiben und , beginnend mit dem Erwerb von Ernst Wilhelm Nays Blauklang, eine thematisch gebundene Sammlung aufgebaut, die mit Werken wichtiger Gegenwartskünstler das Faszinosum der Farbe Blau umkreist. Es ist eine Ehre für Christie‘s, durch diese Versteigerung das Ehepaar Loch bei dem Aufbau ihrer Stiftung unterstützen zu können“ erläutert  Christiane Gräfin zu Rantzau, Chairman Christie’s Deutschland.

„Die Sammlung Siggi und Sissy Loch zeugt von außerordentlicher Kennerschaft, Weitblick und Mut. Sie liest sich wie eine Enzyklopädie der wichtigsten Themen und Strömungen westlicher Gegenwartskunst. Siggi Loch war stets auf der Suche nach Originalität und diese Suche führte ihn Anfang der 1970er Jahre zu den Arbeiten Gerhard Richters, lange bevor er zu einem der weltweit führenden Künstler seiner Generation wurde. Es ist ein Privileg für Christie’s, diese Entdeckungen einem internationalen Sammlerpublikum vorstellen und damit dem bedeutenden Stiftungsvorhaben des Philanthropenpaares dienen zu können“ kommentieren Lock Kresler, Director Post-War and Contemporary Art.  

„Als wir den Entschluss gefasst haben, uns von unserer Sammlung zu trennen, um eine gemeinnützige Stiftung zu gründen, war es meine Frau Sissy, die den Ausschlag gab welchem Zweck unsere Stiftung dienen soll. Wir haben unser ganzes Leben der Förderung von Kunst und Kultur gewidmet. Nun wollen wir Menschen helfen, die in Not sind, Menschen, die sich nicht sehr selbst helfen können. Wir freuen uns, in Christie’s einen starken Partner gefunden zu haben, den bestmöglichen Erlös zugunsten der Siggi und Sissy Loch Stiftung zu erzielen“ erklärt Siggi Loch.

DIE SAMMLER: SIGGI UND SISSY LOCH

Die kometenhafte Karriere des 1940 in Pommern geborenen Siegfried Loch begann 1962, als der heute 72jährige bei Phillips Records als jüngster Produzent in der Geschichte des Labels anheuerte. Nach einer kurzen Produzententätigkeit bei Liberty Records, wechselte Loch 1971 zu dem US Konzern Warner, dessen Europageschäft er später als Präsident leiten sollte. In den Anfängen produzierte Siggi Loch Beat- und Bluesbands aus Großbritannien und den USA, die im Hamburger Star Club auftraten, später arbeitete u.a. mit Mick Jagger, Rod Stewart sowie Frank Zappa und war Wegbereiter für Klaus Doldinger, The Rattles, Can, Marius Müller-Westernhagen, Heinz Rudolf Kunze und Al Jarreau.

Privat aber war der frühere Wahlmünchner und heutige Wahlberliner musikalisch im Jazz zuhause und erfüllte sich 1992 mit dem Ausstieg bei Warner Music Europe und der Gründung seines eigenen Jazzlabels ACT einen Lebenstraum. Jazzpañia, die durch eine Miles Davis Aufnahme aus den 1960er Jahren inspirierte, erste Veröffentlichung von ACT, brachte Siggi Loch zwei Grammy Nominierungen ein. Im Frühjar 2012 wurde ACT zum dritten Mal in Folge mit deutsche Musikpreis ECHO in der Kategorie Jazz als ‘Label des Jahres‘ ausgezeichnet. Zum Jazzfan wurde Loch bereits durch seinen ersten Besuch eines Jazzkonzertes, die Performance des legendären Saxophonisten Sidney Bechet 1955 in Hannover. Kurz darauf folgte Lochs folgenreicher, erster Plattenkauf des Jazz Labels Blue Note Records. Folgenreich, da die blue notes, die „blauen Töne“, die in besonderem Maße den Bluescharakter von Melodien färben, Siggi Loch nicht mehr loslassen sollten: „Sowohl in der Kunst als auch in der Musik spielt die Stimmung Blau eine ganz zentrale Rolle. Es gibt das berühmte Plattenlabel Blue Note Records. Mein eigenes Jazzlabel ACT ist auch Blau. Gerade im Jazz geht es ja um die so genannten blue notes, die verminderten Töne der Dur- und Moll-Tonleiter, die den Klang dieser Musik ausmachen. Ich habe eine starke Affinität zu der Farbe Blau“ erklärte Loch in einem Süddeutsche Zeitung Interview zu der Aussellung seiner Sammlung ‘Paint it blue‘ im Frühjahr 2007 im Museum Weserburg Bremen.

DIE SAMMLUNG: SIGGI UND SISSY LOCH

Den Zugang zu zeitgenössischer Kunst fand Siggi Loch durch den deutschen Grafiker Willy Fleckhaus (1925-1983). Fleckhaus war Mitbegründer und Art Director des Magazins twen, dessen Schallplattenedition Loch während seiner Produzententätigkeit bei Philips Records Anfang der 1960er Jahre betreute. twen prägte den Zeitgeist im Deutschland der 1960er und 1970er Jahre. Mitverantwortlich für diesen Erfolg waren die von Fleckhaus gestalteten Plattencover der twen Serie: „Fleckhaus war der erste, der serielle Kunst auf die LP Cover setzte. Der Mann hat mich angestiftet, mich mit Kunst zu beschäftigen“ erklärte Loch im Interview. 1988 folgt das Schlüsselerlebnis, das der Sammlung Loch ihre Richtung geben sollte: Siggi Loch erwirbt Blauklang von Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) bei einer Christie’s Auktion. Das 1953 entstandene Gemälde, das in seinem Titel Musik und Malerei verbindet, markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung des deutschen Malers – den Übergang von seinen „Rhythmischen Bildern“ zu der gefeierten Serie der „Scheibenbilder“. 1951 zieht Nay von Hofheim im Taunus nach Köln und erfährt dort ein stimulierendes, kulturelles Umfeld – zeitgenössische Komponisten eröffnen neue Wege in der Musik: Karlheinz Stockhausen experimentiert mit synthetisch erzeugten Klängen und verwendet dabei auch Aufnahmen von Alltagsgeräuschen, auch Pierre Boulez entwickelt seinen eigenen Stil in Anlehnung an die serielle Musik. Ernst Wilhelm Nay vertieft sich in diese radikal neuen Kompositionen und entwickelt eine neue Arithmetik des Bildes, bei der die Farbe und ihre Wirkung sowohl Mittel als auch Ziel ist. Siggi Loch zog Blauklang unmittelbar in seinen Bann: „Ich habe mich entschlossen, meine Sammlung der Farbe Blau zu widmen und habe in den letzten 20 Jahren nur Werke gekauft, in denen diese Farbe eine Rolle spielt“. Blauklang wird als eines von sechs Werken aus der Sammlung Loch in der Abendauktion Post War and Contemporary Art zu einer Taxe von £100,000-150,000 angeboten.

Angeführt wird die Gruppe der Loch Werke durch eine wichtige Arbeit des Protagonisten der „blauen Epoche“: Yves Klein (1928-1962). Kleins Anthropométrie (ANT49) aus dem Jahr 1960 – dem Jahr in dem er sich das von ihm entwickelte Farbpigment International Klein Blue (IKB) am Pariser Patentamt patentieren ließ -  ist ein herausragendes Beispiel seiner Experimente mit Körperabdrucken. Während der Performance Les Anthropométries de l'époque bleue (1960) in Kleins Pariser Apartment, bewegten sich mit IKB bemalte Aktmodelle, ‚lebende Pinsel‘ wie Klein sie nannte, nach der Choreographie des Künstlers, über auf dem Boden ausgebreitete oder an der Wand befestigte Papierbahnen. So entstand der weibliche Körperabdruck von Anthropométrie (ANT49). „Es war der Block des Körpers“ so Klein, „der mich faszinierte. Das heißt, der Rumpf und ein Teil der Schenkel. Die Hände und Arme, der Kopf und die Beine hatten keine Bedeutung. (…). Gewiß, der ganze Körper besteht aus Fleisch, aber die eigentliche Masse sind Rumpf und Schenkel. Genau hier befindet sich das wirkliche Universum der verborgenen Schöpfung“ erklärt Yves Klein zu dem Fokus der Anthropométries.  Und Blau“ so Klein in seinen Aufzeichnungen Mon Livre „befindet sich außerhalb der Dimensionen, in denen die anderen Farben teilhaftig sind. Sie sind psychologische Räume. Rot zum Beispiel meint Feuer, das Hitze ausstrahlt. Farben führen zu Assoziationen mit konkreten, materiellen, fassbaren Ideen, während Blau vor allem an das Meer und den Himmel erinnert, die abstraktesten Aspekte der fassbaren und sichtbaren Natur.“ Anthropométrie (ANT49) fand 2007 Eingang in die Sammlung Loch und wird am 27. Juni zu einem Schätzwert von £1 – 1,5 Millionen aufgerufen.

Das auf £400.000-500.000 geschätzte Strandbild 10- Night in Tunisia II von Georg Baselitz (*1938) gehörte zur Saatchi Collection bevor Siggi Loch es 1991 in New York für seine Sammlung ersteigerte. Auf einer monumentalen (250 x 200 cm) und mit heftigen Pinselstrichen in Azur Blau überzogene Leinwand zeichnet sich die schwarze Kontur einer liegenden, weiblichen Figur ab. Im Zentrum des Bildes zeigt sich die Form eines kleinen, fensterlosen Hauses mit einer schwarzen Tür, die mit gestischen, blauen Pinselstrichen durchzogen und verwischt ist. Baselitz verweigert sich hier ausdrücklich jeglicher Raumillusion, indem er die Leinwand stellenweise unbemalt lässt. Gleichzeitig dokumentiert Strandbild 10- Night in Tunisia II  Baselitz’ Interesse, Aspekte seiner bildhauerischen Praxis auf die Malerei zu übertragen. Im Jahr seiner Entstehung wurde Strandbild 10- Night in Tunisia II im Rahmen der richtungsweisenden Doppelausstellung Georg Baselitz / Gerhard Richter in der Kunsthalle Düsseldorf gezeigt und war 1995 Teil der Gruppenausstellung Pierrot: Melancholie und Maske im Münchner Haus der Kunst.

Von Gerhard Richter (*1932) kommt – aus der Sammlung Siggi und Sissy Loch -  Abstraktes Bild (1995) zu einer Taxe von £600.000-800.000 zum Aufruf. Die in Schichten gemalte, durchfurchte, gespachtelte und abgekratzte Gemäldeoberfläche in verschiedenen Blautönen erinnert an die leicht bewegte Wasseroberfläche eines Sees und ruft die stark abstrahierten, späten Seerosen-Bilder Claude Monets ins Gedächtnis. 

Der Mitbegründer des Kapitalistischen Realismus und spätere „Alchemist der Pigmente“ Sigmar Polke (1941-2010) ist vertreten durch Ohne Titel (1998, Schätzwert: £150.000-200.000). Ohne Titel (1998) ist Polkes Lapislazuli Serie aus dem gleichen Jahr verwandt, in der der Maler mit Lapislazuli Pigment experimentierte und auf überraschende Weise rigide, geometrische Formen mit abstrakten Gesten überlagerte. Bei dem wegweisenden Gemälde Ohne Titel kombiniert Polke eine in sich geschlossene, hexagonale Wabenform mit darüberliegenden schnellen, freien Pinselstrichen in Blau.

Den Abschluss der Gruppe von Werken aus der Sammlung Loch, die im Rahmen der Abendauktion Post-War and Contemporary Art zum Aufruf kommen, bildet Composition in Blue and White des amerikanischen Malers Sam Francis (1923-1994). Die lichte Komposition breitpinseliger Spuren in wässriger Konsistenz auf einer weißen Leinwand erinnert an japanische Kalligraphie, die Sam Francis seit seiner Japanreise 1957 in sein Werk integrierte. Transzendenter und dichter Farbauftrag wechseln sich ab, Farbtropfen und -spritzer begegnen mit dem Pinsel entstandenen  Formen. Composition in Blue and White wird zu einem Schätzwert von £250.000-350.000 angeboten.

Alle genannten Werke waren, mit Ausnahme von Polkes Ohne Titel (1998), Teil der vielbeachteten Ausstellung der Sammlung Siggi und Sissy Loch unter dem Titel Paint it blue im Frühjahr 2007 im Museum Weserburg Bremen.

In der Tagesauktion Post-War and Contemporary Art am 28. Juni 2012 werden weitere 39 Werke zu Schätzwerten von £3.000-5.000 bis £150.000-250.000 angeboten, u.a. von Jean-Michel Basquiat (1960-1988), Louise Bourgeois (1911-2010), Thomas Demand (*1964), Lucio Fontana (1899-1968), Andreas Gursky (*1955), Jörg Immendorf (*1945-2007), Raymond Pettibon (*1957), Ed Ruscha (*1937) und Emil Schumacher (1912-1999).

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Die Kataloge zu den Auktionen Post-War and Contemporary Art sind online verfügbar unter:
www.christies.com. Bildmaterial auf Anfrage erhältlich.

Auktionen         
Post-War and Contemporary Evening Sale                                                                   27. Juni 2012
Post-War and Contemporary Day Sale                                                                          28. Juni 2012

 

 

 

About Christie’s

Founded in 1766, Christie’s is a world-leading art and luxury business. Renowned and trusted for its expert live and online auctions, as well as its bespoke private sales, Christie’s offers a full portfolio of global services to its clients, including art appraisal, art financing, international real estate and education. Christie’s has a physical presence in 46 countries, throughout the Americas, Europe, Middle East, and Asia Pacific, with flagship international sales hubs in New York, London, Hong Kong, Paris and Geneva. It also is the only international auction house authorized to hold sales in mainland China (Shanghai).

Christie’s auctions span more than 80 art and luxury categories, at price points ranging from $200 to over $100 million. In recent years, Christie’s has achieved the world record price for an artwork at auction (Leonardo da Vinci’s Salvator Mundi, 2017), for a 20th century artwork (Andy Warhol’s Shot Sage Blue Marilyn, 2022) and for a work by a living artist (Jeff Koons’ Rabbit, 2019). Christie's is also recognised as a reference for prestigious single owner collections, having auctioned 8 of the 10 most important collections in history.

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