GLOSSARY
Apparel: ornamental embroidery on certain ecclesiastical vestments
Chasuble (Kasel in German): an ecclesiastical vestment, a kind of sleeveless mantle covering the body and shoulders, worn over the alb and stole by the celebrant at Mass or the Eurcharist.
Cope (Pluviale in German): vestment, resembling a long cloak made of a semi-circular piece of cloth, worn by ecclesiastics in processions, also at Vespers, and on some other occasions.
Dalmatic: an ecclesiastical vestment, with a slit on each side of the skirt, and wide sleeves, and marked with two stripes. Worn in the Western Church by Deacons and Bishops on certain occasions.
Maniple: in the Western Church, one of the Eucharistic vestments, consisting now of a strip of stuff from two to four feet in length and worn suspended from the left arm near the wrist by the celebrant, deacon and sub-deacon.
Mitre: a head-dress forming part of the insignia of a bishop in the Western Church, and worn also by certain abbots and other ecclesiastics as a mark of exceptional dignity.
Orphrey: an ornamental border or band especially on an eccleciastical vestment, sometimes richly embroidered.
Phelonion: a Russian cope, a form of cope worn in the Russian Church. VORWORT
Als mein Urgroßvater Lehmann Bernheimer im Jahr 1864 seines kleines Geschäft fur Kleider- und Dekorationsstoffe in München gründete, hätte ihm damals selbst der großte Optimist nicht vorraussagen können, daß er und seine Söhne eines Tages stolze Eigentümer des zu ihrer Zeit größten Antiquitäten- und Einrichtungshaus der Welt werden würden. Die Anfänge waren bescheiden, aber von Anfang an durchaus ehrgeizig. Mein Urgroßvater verstand es schon als junger Mann, die Herzen der Damen der Oberschicht zu gewinnen, die offenbar besonders gerne in das kleine jüdische Geschäft kamen, um sich dort mit den neuesten Kleiderstoffen für für die Saison einzudecken, so wie sie es bereits jahrelang beim Vater des Gründers getan hatten, der noch mit seinem Stand von Dult zu Dult, von Stadt zu Stadt zog um auf diese Weise seine Stoffe zu verkaufen.
Zu den Kleiderstoffen kamen Dekorationsstoffe, und sehr bald erhielt Lehmann Bernheimer Aufträge des Hofes. Die Bauwut des jungen, sehr beliebten, bayerischen Monarchen Ludwig II. kam dem Urgroßvater sehr zugute, den schon bald durfte er die Königsschlösser mit Stoffen ausstatten und die Polster der Eisenbahnwagons I. und 2. Klasse liefern. Als der unglückliche König im Jahre 1886 starb, erschien es bereits selbstverständlich, da die für die Beerdigung und Katafalk benötigten großen Mengen schwarzen Samtes vom Hoflieferant Bernheimer stammten.
Die darauffolgende Zeit der Regentschaft des Prinzregenten Luitpold war bis zum Beginn des ersten Weltkrieges eine Epoche größter Prosperität. Das Haus Bernheimer entwickelte sich ebenso rasant wie die Wirtschaft des Landes. Zu den Stoffen kamen Einrichtungen, Antiquitäten, Kunstgegenstände und Teppiche sowie alte Textilien. In den späten siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann Lehmann seine ersten Teppiche in Konstantiopel zu kaufen ud entdeckte seine große Liebe zur italienischen Renaissance und zur Chinesischen Kunst. 1889 entstand schließlich am Lenbachplatz in München mit einer großen Erweiterung im Jahr 1910 der groößte Kunsthandelspalast der damaligen Welt, im Stil der italienischen Renaissance. Die europäische Hocharistokratie ging im Hause des Königlich Bayerischen Kommerzienrates ein und aus. Bernheimer entwickelte sich zum Spezialisten für die Ausstattung ganzer Schlösser.
Der Gründer konnte mit großer Befriedigung das Geschäft in die Hände seiner drei Söhne geben. Mein Großvater Otto erzählte mir mit verklärtem Blick, wie aufregend seine ersten Reisen als junger Mann nach Florenz gewesen seien, als er waggonweise Truhen, angefüllt mit Textilien, nach München zurücksandte, während sein Bruder Max in Konstantinopel und Frankreich unterwegs war und der dritte Bruder Ernst zuhause in München die Fäden zusammenhielt.
Die Auswirkung des Ersten Weltkrieges waren eigentlich schon der Anfang vom Ende. Rund achtig Prozent der Klientel des Hauses fiel mit den Revolutionen von 1917/18 fort: die regierenden Monarchen Europas, die vielen mittleren bis kleineren Fürstentümer Deutschlands existierten nicht mehr. Zwar kamen jetzt vermehrt die amerikanischen Magnaten wie Randolph Herst, dessen St. Simeon in Kalifornien ganz wesentlich von München aus beliefert wurde. Das Leben war jedoch unter dem neuen Regime nach 1933 immer unerträglicher und am Ende stand schließlich die Emigration. Bezeichnend für die Einstellung der Familie war daß man einerseits, selbst noch nach der "Kristallnacht", nicht daran glauben wollte, daß ihnen etwas zustoßen konnte, andererseits die geliebten Sammlungen, insbesonders die Teppich- und Textilsammlung, rechtzeitig auf verschiedene Klöster in Bayern verteilt wurden, um sie vor der Begehrlichkeit der sammelwütigen Nazigrößen zu bewahren. Als mein Großvater schließlich nach dem Krieg und dem Ende dieser Schreckenszeit wieder in siene Heimatstadt München zurückkehrte, konnte er die Sammlungen wieder in Empfang nehmen.
Die Besuche bei meinem Großvater im Haus am Lenbachplatz zählen zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Das Haus war riesig und in seiner Pracht durchaus auch einschüchternd. (Als ich viele Jahre später, 1985, unsere Galerie in London eröffnete, wurde ich bei einer Party vergestellt mit den Worten "He has a gallery in Munich the size of the Royal Academy" - und das stimmte auch ungefähr!) Wie durch ein Wunder waren die meisten Räume im Krieg verschont geblieben und der Hauch der Gründerzeit-Renaissance bestimmte nach wie vor die Atmosphäre. Mit seinen vielen Stockwerken, seinen dunklen Kellerverließen, vollgestopft mit großer und kleiner Kunst, mit wichtigen Objekten und bric-a-brac zugleich, war es ein sehr beeindruckendes Haus, eine ehrfurchtgebietende Mischung zwischen großem Kunsthandelshaus un Privatmuseum. Es gab eigene Säle für Renaissance, Barock oder Louis XVI; eine ganze Etage beherbergte die Privatsammlung des Großvaters, mit einem Raum voller Elfenbeinkruzifixe, mit unzähligen Meßgewändern und Skulpturen. Mein Großvater war glücklich, sein geliebtes Haus und die Sammlunger wiederzuhaben. Mit großem Stolz breitete er immer wieder seine Schätze aus. Der große Gobelinsaal war der Mittelpunkt des Hauses und dorthin mußte auch alsbald jeder Besucher meinem Großvater folgen. Der spannende Moment kam, wenn er mit einem großen Schlüssel die berühmte Tapetentüre öffnen ließ; dahinter verbarg sich der über drei Stockwerkereichende Teppichtresor mit der Teppichsammlung.
Ein Stockwerk höher befand sich der Saal für Textilien und Stickereien. Dort wurde die wohl größte Privatsammlung kirchlicher Gewänder aufbewahrt. In großen eingebauten Mahagoni-Schränken lagerten hier die textilen Schätze vieler Jahrhunderte. Schrank für Schrank wurde bei den Besuchen des Großvaters geöffnet. Osmanische Samte, genueser Brokate, venezianische Seiden lagen neben chinesichen Kossu-Geweben in großen, herausziehbaren Schüben. In den Oberschränken hingen die Meßgewänder auf Bügeln mit langen Stangen, damit man sie herunterheben konnte, wie in den alten Sakristeien der Klöster, wo mein Großvater wohl den größten Teil um die Jahrhundertwende gekauft hatte, und natürlich in den Versteigerungen großer Sammlungen in den zwanziger Jahren, wie Nemes und Figdor. (Es lohnt vielleicht der Seitenblick auf die Frage, warum die großen Sammler christlicher Kunst im 19. und ersten Drittel unseres Jahrhunderts sehr häufig jüdisch waren; sicher hat es mit dem Streben nach Assimilation zu tun, es war schließlich die abendländisch-christliche Kultur, in der man sich heimisch fühlte. Die Liebe zum Textil hat in unserer Familie jedoch sicher in erste Linie mit der Herkunft des Urgroßvaters und seiner Vorfahren aus dem Stoffhandel zu tun.)
Mein Großvater war ein taktiler Mensch, mindestens so wichtig wie das Sehen war für ihn das Fühlen. Ich mußte lernen, daß man ein Textil nicht nur intelektuell begreifen und kunsthistorisch einordnen muß, sondern vor allem, seine Persönlichkeit durch die Berührung und das "Erfassen" seiner Oberflächenstruktur verstehen lernen kann. Jeder Besucher wurde von ihm stets aufgefordert, den Gegenstand des Interesses zunächst anzufassen.
Ein Kunsthändler, der zugleich auch sammelt, ist natürlich ständig in Gefahr, sich selbst als Händler im Wege zu stehen. Ist es nich so, daß jedes Objekt in der Privatsammlung eines Kunsthändlers Zeuge für den Sieg des Sammlers über den Kunsthändler ist? Wenn ich mich also heute, nach so vielen Jahren, doch entschlossen habe, die Textilsammlungen meiner Familie zu verkaufen, triumphiert dann der Händler über den Sammler?
Den Bazillus des Sammelns habe ich als Kunsthändler in der vierten Generation leider - vielmehr Gottseidank - auch geerbt. (Gottseidank,denn jeder Kunsthändler, der nicht selbst auch sammelt, ist mir von Grund auf suspekt!). Vor einigen Jahren, als die alte Familienfirma aufgelöst und das große Haus am Lenbachplatz verkauft wurde, habe ich von meiner Familie die Teppich- und Textilsammlungen übernommen. Ich glaubte, wenn ich die Tradition der Firma
weitertragen wollte, so müßte ich auch die berühmten Sammlungen
als "background" haben. Heute bin ich der Meinung, daß ein Sammler
mit seinen Sammlungen in erster Linie leben muß. Als mir eines Tages bewußt wurde, daß ich mit den Sammlungen nicht wirklich lebte,
sondern sie nur noch aufbewahrte, wurde mir klar, daß das eigentlich zu wenig war, und der Bedeutung der Stücke nicht entsprach.
Wenn heute eine neue Sammlergeneration die Gelegenheit erhält, meist unwiderbringliche textile Schätze zu erwerben, Objekte, die zum größten Teil seit mindestens 60-80 Jahren und länger im Besitz meiner Familie befunden haben, und sie in anderen Sammlungen in sicherlich völlig anderm Kontext zu neuem Leben erweckt werden, so bin ich sicher, daßs sich diejenigen, die die Stücke damals "entdeckt" haben, mein Urgroßvater und seine Söhne,darüber freuen würden.
Wenn ich mich also von den Bernheimer Textilsammlungen verabschiede, dann geschieht das mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge.
Konrad O. Bernheimer
im April 1996
FOREWORD
When my great-grandfather Lehmann Bernheimer founded his small dress and decorating fabrics store in Munich in 1865, not even the greatest optimist would have anticipated the fact that he and his sons would one day be the proud owners of the largest antiques and decorating firm in the world at the time. The beginnings were humble, but certainly ambitious. As a young man, my great-grandfather charmed the ladies of the establishment, who obviously rather enjoyed visiting the small Jewish shop to select the latest dress fabrics - just as they had done for years at the founder's father's, who travelled from fair to fair, town to town setting up his stand to sell his fabrics.
In time, upolstery fabrics were added to the stock of dress fabrics and soon thereafter, Lehmann Bernheimer began receiving commissions from the court. Ludwig II's extraordinary building craze was a boon to my great -grandfather, and he soon began supplying fabrics to the royal palaces as well as furnishing first and second class railway cars's interiors. When the unhappy King died in 1886, it went without saying that the masses of black velvet needed for the state funeral ceremony and procession were supplied by Hoflieferant Bernheimer.
Prince Regent Luitpold's ensuing reign proved to be of great prosperity until the beginning of the first World War. Bernheimer's grew as rapidly as the country's economy. Interiors, antiques, decorative objects, carpets and antique textiles were added to the stock. In the late 1870s, Lehmann Bernheimer had begun to acquire his first carpets in Constantinople and discovered his passion for the Italian Renaissance and Chinese works of art. The world's largest Kunsthandelpalast of the time was then built in the Italian Renaissance style on Lenbachplatz in Munich in 1889, and was later considerably expanded in 1910. Europe's high aristocracy frequented the royal Bavarian Kommerzienrat's Kunsthandelpalast and as such, Bernheimer became renowned for specializing in the decoration of palaces in their entirety.
To his great satisfaction, the firm's founder was soon able to turn his business over to his three sons. Dreamy-eyed, my grandfather Otto would tell me about his exciting first trips to Florence as a young man, when he would send wagons of coffers brimming with textiles back to Munich, while his brother Max would travel to Constantinople and France while Ernst, the third brother, remained in Munich to hold the firm's reins. The consequenses of the first World War were truly already the beginning of the end. Virtually eighty per cent of the firm's clientele disappeared with the 1917 - 1918 revolutions. Europe's reigning monarchs and Germany's numerous smaller mid-range principalities no longer existed. Although many of the American magnates like Randolph Hearst, for whom Bernheimer supplied most of the interiors at St. Simeon, purchased frequently, life after 1933 under the new regime became intolerable and no choice remained but to emigrate. Although the family refused to believe that anything could ever happen to them, even after "Kristallnacht", they still chose to hide their beloved collections at various manasteries in Bavaria in order to keep them from falling prey to the collecting fever of prominent Nazis. My grandfather was able to reclaim the collections upon his return to his home town Munich at the end of this time of terror.
Visits to the house on Lenbachplatz with my grandfather belong to my fondest childhood memories. The house was enormous and its splendour intimidating. (Many years later, when I opened our gallery in London in 1985. I was introduced at a party with the remark: "He has a gallery in Munich the size of the Royal Academy" - and that was about right!) It was a miracle that most rooms remained untouched by the War. A touch of Gründerzeit-Renaissance flavoured the overall atmosphere. It was an impressive house, with its many floors and dark cellars stuffed with large and small objects of art, important objects and bric-a-brac - a mixture of a large gallery and private museum. There were rooms solely devoted to the Renaissance, Baroque or Louis XIV. A whole floor housed my grandfather's private collection, which included a room filled with ivory crucifixes, numerous ecclesiatical vestments and sculpture. My grandfather was happy to have his beloved house and the collections returned to him and displayed his treasure with great pride. The large Gobelinsaal was the house's focal point and every visitor to the house ended up following my grandfather into this room sooner or later. The most exciting moment was when my grandfather would ceremoniously have the famous papered door unlocked with a large key - this door led into the depot covering three floors which housed the carpet collection. The upper floor housed the rooms for textiles and embroideries, where what could possibly be considered the largest private collection of ecclesiatical vestments was stored. Centuries worth of textile treasures were stored in large custom-made mahogany closets. Each would be opened one by one during my grandfather's visits. Ottoman velvets, Genoese brocades and Venetian silks were folded next to Chinese Kossu weavings in generously designed drawers. The upper closets contained the liturgical vestments which were hung from hangers attached to long poles, facilitating their removal, just as they were stored in the sacristies of manasteries. My grandfather probably acquired the bulk of this collection at the turn of the century, as well as at the auctions of the great collections in the 1920s, such as Nemes and Figdor. (It is probably worth considering the question why the great collectors of works of art during the 19th and first third of the 20th century very often felt at home in occidental-Christian culture. However, my grandfather's background and that of his ancestors in the textile trade, was certainly predominantly responsible for our family's great passion for textiles).
My grandfather had a very keen tactile sense. It was as important for him to touch as it was to see an object. I had to learn that one not only had intellectually and art historically to understand a textile, but one also could learn to comprehend its personality by 'grasping' its surface structure. Every visitor was always encouraged to touch the object of desire.
An art dealer who also collects is certainly always in danger of being his own obstacle as a dealer. It is not true that every object in an art dealer's private collection bears witness to the dealer's defeat by the collector - or to the collector's triumph over the dealer? Now that I have decided to offer my family's textile collection for sale after so many years, does the dealer triumph over the collector?
As a fourth generation art dealer, I have unfortunately - or rather - thank God, inherited the collecting bug. (Thank God, as I am quite suspicious of any art dealer who does not collect!) Several years ago, when the family firm was dissolved and the house on Lenbachplatz sold, I took on the family textile collection. I believed that if I were to carry on the firm's tradition, I would have to have these famous collections as a "background". Today I am of the opinion that a collector should live with his collections. When it dawned on me that I really was not living with the pieces but merely storing them as their keeper. I realized that this was actually not doing justice to the collections's importance.
Now a new generation of collectors will be given the opportunity to acquire unique textile treasures, items which for the most part have been in my family's possession for at least 60-80 years or more. The placement of these textiles into new collections, which bring them into a totally different context, will breathe new life into each of them. I am certain this would please my great-grandfather and his sons, who had initially "discovered" these objects, immensely.
As I bid the Bernheimer textile collection farewell, I do so with tears in my eyes but also with a smile.
CONRAD O. BERNHEIMER
April 1996
EINLEITUNG
Die Textilsammlung des Hauses Bernheimer beherbergt einen eindrucksvollen Komplex von liturgischen Gewändern, der sicherlich als größte und einzigartige Sammlung dieser Art gelten darf. Diese einmalige Privatsammlung umfaßt Kaseln, Dalmatiken und Pluvialia aus dem 15.- bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, die teils als Einzelstücke teils aber auch noch in zusammengehörigen Ornaten vorkommen. Von besonderem Interesse ist die Vielfalt der Typenprägungen, die in den Gewändern der hir vertrettenen Ephochen sowohl auf dem Gebiet der Weberie wie der Stickerei zum Ausdruck kommt. Der Grund hierfür liegt in dem in geographischer Hinsicht in keiner Weise sich beschränkendem Sammeleifer, mit welchem hier nun fast ein Jahrhundert lang zusammengetragen wurde.
Als ich auf Wunsch der Familie Bernheimer eine eingehende Sichtung der Sammlung vornahm, begann die Aktion mit einer ersten wertenden Sortierung innerhalb der textiltechnischen Hauptkomplexe, die diese riesige Sammlung barg, gemeint ist das Gebiet der Seidenweberei unde das der Stickerei. Ein dritter Komplex, in welchem sich beide Techniken in der Anwendung verbinden, nämlich die auch zahlenmäßig stattliche Gruppe der Paramente, erschien mir vorerst der vordringlichste für eine nähere, wissenschaftliche Untersuchung. Zumal es sich um die meines Wissens einzige und wohl auch letzte Privatsammlung handelte, die einen solch imposanten Bestand an Meßgewändern aufzuweisen hat, wobei die eindrucksvolle Gruppe der spätmittelaterlichen Kaseln besonders hervorzuheben ist.
Die Objekte, uber deren Herkunft so gut wie nichts überliefert war, werden mittels ornament-und stilgeschichtlicher, aber auch web-, und sticktechnischer vergleichender Untersuchung lokalisiert und datiert Das Ergebnis kommt einem Abriss der Geschichte der sakralen Textilkunst Europas über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten gleich, in welchem alle wichtigen Zentren der Weberei bzw. Stickerei Deutschlands, Italiens, Frankreichs, Osteuropas under vor allen auch Spaniens vertreten sind. Auf die verschiedenen Epochen verteilt, bilden im ausgehenden Mittelalter die deutschen Kulturlandschaften, in der Zeit der Renaissance under des Frühbarock Italien und Spanien, zur Zeit des Hochbarock und des Rokoko neben Süddeutschland vor allem Italien und Frankreich den Schwerpunkt in dieser Sammlung. Einige interessante Beispiele von Paramenten des 19. Jahrhunderts sind auch in dieser Sammlung vertreten.
Das Gebiet der Paramente ist für den Textilhistoriker einer der faszinierendensten. Verbindet sich doch hier das unter dem Modediktat der Zeitstile stehende Schmuckbedürfnis des Menschen mit der ephochal wechselnden Vorstellung vom Bild im Dienst der Liturgie.Die Passion für Textilien und die Sammelleidenschaft des Großvaters von Konrad O. Bernheimer, dem heutigen Eigentümer der Sammlung, ist vielleicht am besten mit einem Zitat Goethes illustriert. Nach den Worten des Dichters war die Sammlung seines eigenen Großvaters von frühester Jugend ausschlaggebend gewesen für die eigene intensive und lebenslang anhaltende Sammelleidenschaft. Für Goethe bedeutete die Sammlung dieses würdigen Mannes wie alle großen Sammlungen "eine ewige Quelle echter Kenntnisse fur den Jüngling, für den Mann Stärkung des Gefühls und guter Grundsätze und für jeden, selbst den flüchtigesten Beschauer heilsam, denn das Fürtreffliche wirkt auf Eingeweihte nicht allein".
Dr. Saskia Durian-Ress
Direktorin, Augustiner Museum Freiburg
(ehemalig Kuratorin fur Textilien, Bayerisches Nationalmuseum, München) Kurzfassung der von Frau Dr. Durian-Ress gehaltenen Rede zur Vorstellung des von ihr verfassten Buches "Textilien Sammlung Bernheimer, Paramente 15. - 19. Jahrhundert" in München, 1992.
The Berheimer Collection of Liturgical Vestments
PREFACE
The Bernheimer family collection of textiles includes an impressive and complex group of vestments which certainly qualifies as the largest collection of its kind. This unique private collection includes chasubles, dalmatics and copes dating from the 15th to the mid-19th centuries which all interesting in themselves, form a fascinating sequence of object. Most interesting is the variety within the numerous ages, as well as within the types of weaving and embroidery represented. This is easily explained by the family's collecting passion spanning over a century, crossing geographical boundaries. When the Bernheimer family asked me to examine the collection first hand, I began this task by separating the textiles according to the technical categories included in this vast collection, sorting it into silk weavings and embroideries. A third category, in which both of these techniques are combined, is the large group of liturgical vestments, which in my opinion deserved closer, academic investigation. This is important as the collection which is to my knowledge the last private collection of this type, includes an impressive group of late mediaeval chasubles.
The objects, which were previously uncatalogued, have been dated and attributed by way of comparison between weaving, cut and embroidery techniques. The result is a historical cross-section of Europe's sacred textile art over a period of five hundred years covering all important weaving and embroidery centres of Germany, England, Italy, France and Spain. Distributed over the various centuries, the collection's focus takes us to late mediaeval German cultural landscapes, during the Renaissance and early Baroque to Italy and Spain. The high Baroque and Rococo emphasize southern Germany, Italy and France. Several interesting examples of 19th century vestments are also included in this collection.
Liturgical vestments are certainly intriguing subjects of research for the academic historian. They combine the intense desire for ornament within the framework of continously evolving liturtigal practice. The love of textiles and passion for collecting expressed in this collection by Konrad O. Bernheimer's grandfather is perhaps best illustrated by a quotation from Goethe. According to the poet, his own grandfather's collection inspired his intense lifelong desire to collect. For Goethe, this distinguished gentleman's collection, as with all great collections, was "eine ewige Quelle echter Kenntnisse für den Jügling, für den Mann Stärkung des Gefühls und guter Grundsätze und für jeden, selbst den flüchtigesten Beschauer heilsam, denn das Fürtreffliche wirkt auf Eingeweihte nich allein".
Dr. Saskia Durian-Ress
Director, The Augustiner Museum, Freiburg
(formerly Curator of Textiles, Bayerisches Nationalmuseum, Munich)
This is an edited version of Dr. Durian-Ress's speech given in Munich in 1992 to introduce her book Textlien Sammlung Bernheimer, Paramente 15.-19. Jahrhundert
This catalogue follows the order of the book.
The back of a chasuble of burgundy red velvet cut with a design of pomegranates, the orphrey worked with The Virgin and Child, with St. Catherine and St. Barbara, St. Dorothy and St. Ursula - the velvet Venetian, mid-15th century, the orphrey German, third quarter of the 15th century (worn)
Details
The back of a chasuble of burgundy red velvet cut with a design of pomegranates, the orphrey worked with The Virgin and Child, with St. Catherine and St. Barbara, St. Dorothy and St. Ursula - the velvet Venetian, mid-15th century, the orphrey German, third quarter of the 15th century (worn)
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Lot Essay
The velvet resembles Errera Nr. 170
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