PETER FISCHLI (1952) DAVID WEISS (1946-2012)
SWISS POST-WAR & CONTEMPORARY ARTDie aktuelle Werkauswahl, die von üppiger Malerei bis hin zu modernster konzeptioneller Skulptur reicht, zeigt eine Vielzahl von Errungenschaften der Schweizer Gegenwartskunst in den letzten fünfzig Jahren.Die Gruppe wird von Kerze (Los 7) von 1986 geleitet, einer frühen Skulptur von Peter Fischli David Weiss. Im Geiste der Entdeckung und des Spiels wurden die beiden weltberühmt für ihre witzigen Gegenüberstellungen und Transformationen von Alltagsgegenständen. Kerze entstammt einer Schlüsselserie, in der die Künstler alltäglicher Gegenstände verwandelten, indem sie sie in schwarzen Gummi gossen: Hier wird eine Zierkerze zu einer rätselhaften, unbekannten Präsenz, die ihrer Funktion entfremdet und beunruhigend fetischisiert erscheint. Von den sieben erhaltenen Beispielen dieses wichtigen Werkes befindet sich eines in der Sammlung des Pariser Centre Pompidou.Deklarative, textbasierte Arbeiten von Rémy Zaugg - einem sehr einflussreichen Philosophen, Theoretiker und Konzeptkünstler - spielen ebenfalls mit unseren Erwartungen. Zwei Beispiele aus Zauggs Serie LOOK, I AM BLIND, LOOK. machen eine widersprüchliche Aussage über den Verlust der Sehkraft in lebendigen, kollidierenden Farben und erschrecken den selbstbewussten Betrachter in seinem Zustand der erhöhten Wahrnehmung. Derzeit ist im Kunstmuseum Basel eine grosse Retroperspektive zu sehen, die den gleichen Titel trägt wie unsere beiden Arbeiten hier (Los 10 und Los 11).Die sich ständig wandelnde Beziehung zwischen Betrachter und Kunstwerk steht im Mittelpunkt der Praxis von Markus Raetz, der für seine eleganten Skulpturen bekannt ist, die buchstäblich aus verschiedenen Blickwinkeln als unterschiedliche Dinge erscheinen: In Raetz Welt kann "Ja" aus der richtigen Position betrachtet zu "Nein" werden und umgekehrt. Seine Installation Night Face (Los 9), die für den Einsatz in der Dunkelheit konzipiert ist, zaubert mit einer L.E.D. Lampe und einem geätzten Spiegel ein mysteriöses Gesicht an die Wand. Das Gesicht existiert nur als Schatten und reflektiertes Licht. Bei heller Umgebung verschwindet die Illusion.Mitte der 1960er Jahre erfährt Franz Gertsch eine entscheidende Prägung durch die Pop Art und er beginnt Fotografien als Bildvorlagen für seine Gemälde und Collagen zu verwenden. Anknüpfend an Henri Matisses Technik der Gouaches Découpés entstehen seine farbstarken, kontrastreichen Figurenbilder wie Mick Jagger (Los 12) und Ohne Tite (Los 13).John Armleder, ein Schlüsselkünstler der Fluxus-Bewegung, dessen schwindelerregend vielfältige Praxis sich bewusst der Klassifizierung entzieht, gibt gerne die Kontrolle an den Betrachter ab. „Ich denke, der Betrachter ist derjenige, der die Beziehung aufbaut, der versteht, wie die Dinge zusammenpassen‘’, hat er gesagt, ,,und wenn sie überhaupt nicht passen und meiner Wahrnehmung völlig entgehen, umso besser.“ Ohne Titel (Pour Painting) (Los 15) von seinem vielleicht beliebtesten Werk, steht als Ode an das reine Vergnügen, Kunst zu machen und zu betrachten. Acryl-, Lack- und Sprühlack verlaufen entlang einer vertikalen Leinwand, funkelnd mit einer verstreuten Glimmerschicht; endlose Texturen und Farben schimmern zusammen. Das Ergebnis ist so etwas wie Magie.SWISS POST-WAR & CONTEMPORARY ARTRanging from exuberant painting to cutting-edge conceptual sculpture, the present selection of works highlights a diverse array of achievements in Swiss contemporary art over the past half-century.The group is led by Kerze (1986) (lot 7), an early sculpture by Peter Fischli David Weiss. Working in a spirit of discovery and play, the duo were world-renowned for their witty juxtapositions and transformations of everyday objects. Kerze stems from a key series in which the artists transmuted domestic items by casting them in black rubber: here, an ornamental candle becomes an enigmatic, unfamiliar presence, alienated from its function and disquietingly fetishised in appearance. Of the seven extant examples of this important work, one is in the collection of Paris’s Centre Pompidou.Declarative, text-based works by Rémy Zaugg - a hugely influential philosopher, theorist and conceptual artist - similarly toy with our expectations. Two examples of Zaugg’s series LOOK, I AM BLIND, LOOK. make a contradictory statement about the loss of vision in vivid, clashing colours, startling the self-conscious observer into a state of heightened perception. The same series gives its title to a major retrospective of Zaugg’s work currently on show at Kunstmuseum Basel (lot 10 and lot 11).The ever-shifting relationship between viewer and artwork lies at the heart of the practice of Markus Raetz, who is famed for his elegant sculptures that appear, quite literally, as different things from different angles: in Raetz’s world, ‘yes’ can become ‘no’ when viewed from the right position, and vice versa. His installation Night Face (lot 9), designed to be seen in darkness, uses an L.E.D. lamp and an etched mirror to conjure a mysterious face on the wall. The face exists only as shadow and reflected light. In bright conditions, the illusion vanishes.In the mid 1960s Pop Art became a decisive influence and Franz Gertsch began using photographs as the basis for his paintings and collages. Inspired by Henri Matisse’s technique of gouaches découpés, he created brightly colored figurative paintings full of strong contrasts such as Mick Jagger (lot 12) and Ohne Titel (lot 13).John Armleder, a key artist in the Fluxus movement whose dizzyingly varied practice deliberately eludes classification, likes to relinquish control to the viewer entirely. ‘I think the onlooker is the one who builds the relationship, who understands how things fit together,’ he has said, ‘and if they don’t fit at all and they completely escape my perception, all the better.’ Untitled (Pour Painting) (lot 15), from perhaps his most beloved body of work, stands as an ode to the pure pleasure of making and looking at art. Acrylic, lacquer and spray-paint pool and cascade down a vertical canvas, sparkling with a scattered layer of mica; endless textures and colours shimmer together. The result is something like magic.
PETER FISCHLI (1952) DAVID WEISS (1946-2012)

Kerze, 1986

Details
PETER FISCHLI (1952) DAVID WEISS (1946-2012)
Kerze, 1986
Kautschuk Edition von 6 + 1 AP
Höhe ca. 27 cm, Durchmesser ca. 15,5 cm
Provenance
direkt von den Künstlern an den heutigen Besitzer, Schweiz
Literature
Lionel Bovier, Across/Art/Suisse/1975-2000, Genf 2000, S. 107 (anderes Exemplar illustriert)
Renate Goldmann, Peter Fischli David Weiss, Ausflüge, Arbeiten, Ausstellungen; Ein offener Index, Köln 2006, Nr. 337 (anderes Exemplar illustriert)
Exhibited
Zürich, Kunsthaus, Stiller Nachmittag: Aspekte Junger Schweizer Kunst, 11. September 1987-1. November 1987, mit Ausstellungskatalog (anderes Exemplar ausgestellt)
Frankfurt, Portikus, Peter Fischli/David Weiss: Objekte aus der Gummi-Serie, September-Oktober 1988, mit Ausstellungskatalog (anderes Exemplar ausgestellt)
Paris, Centre George Pompidou, Musée National d'Art Moderne; Nîmes, Le Carré d'Art, Sculpture de Derain à Sechas; Collection du Centre Pompidou, Musée National d'art moderne, Mai-August 2003, mit Ausstellungskatalog (anderes Exemplar ausgestellt)
Lausanne, Musée Cantonal des Beaux-Arts, Private View 1980-2000: Collection Pierre Huber, 14. Juni-11. September 2005, Ausstellungskatalog (anderes Exemplar ausgestellt)
New York, Solomon R. Guggenheim Museum, Peter Fischli David Weiss: How to Work Better, 5. Februar-20. April 2016, mit Ausstellungskatalog (anderes Exemplar ausgestellt), reiste nach Museo Jumex, Mexico 9. Juni-4. September 2016

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Hans-Peter Keller
Hans-Peter Keller

Lot Essay

Die Kerze stammt aus einer Werksgruppe schwarzen Gummimaterials, deren sich das Künstlerduo Peter Fischli David Weiss mehrheitlich während den Jahren 1986 bis 1988 und teils 2005 bis 2006 widmete. Die Plastiken, die direkt von den Originalobjekten gegossen wurden, spiegeln das Interesse der Künstler am Alltag wider, sei es in der häuslichen Umgebung oder in der Natur. Der schwarze Gummi verleiht den Formen alltäglicher Gegenstände jedoch eine beunruhigende und fetischisierte Qualität, was das einst vertraute Objekt seltsam erscheinen lässt und seiner Funktion oder seinem Zweck nicht entspricht. Durchdrungen von Fischli Weiss' charakteristischem Witz und wissender Ironie, wirft die schwarze Gummikerze durch die Verzerrung des Banalen Fragen nach Form und Funktion auf und fordert den Betrachter heraus, das Werk bedacht zu betrachten. Die Kerze ist somit ein sehr representatives Stück des Œuvres von Fischli Weiss. Von den sieben angefertigten Exemplaren befindet sich ein Werk unter anderem in der Sammlung des Centre Pompidou in Paris.

Candle is from a group of works out of black rubber that the two artists, Peter Fischli and David Weiss, devoted their time to from 1986 to 1988, and to some extent from 2005 to 2006. The sculptures, that were cast directly from the original objects, reflect the artists’ interest in everyday life, be it in their home environment or in nature. Black rubber, however, invests everyday objects with an unsettling and fetish-like quality, making a familiar object appear bizarre and disconnected from its purpose. Infused with Fischli Weiss’ characteristic wit and percipient irony, the black rubber candle, with its distortion of the banal, raises questions about form and function, and it challenges the viewer to consider the work more deeply. Candle is, therefore, a very representative piece of the Fischli Weiss oeuvre. Of the seven copies made, one is in the collection of the Centre Pompidou in Paris.
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